Wie im Buch
Draußen ist es längst dunkel. In eine Decke gehüllt, sitzt sie da und liest in ihrem Buch. Die Worte ziehen sie tiefer in die Geschichte, bis die Zeilen verschwimmen und sie plötzlich mittendrin ist.
Sie steht am Straßenrand, als ein Auto hält. Er steigt aus und ihre Blicke treffen sich. Sofort erkennt sie ihn. Dieses ruhige Lächeln, dieser Blick, der einen Moment länger auf ihr liegen bleibt. Schon ist dieses Kribbeln wieder da, das sie nicht erklären kann.
Dann verändert sich die Szene.
Warmes Licht, gedämpfte Musik und das leise Klirren von Gläsern. Sie sitzt mit ihm in einer Bar. Sie kennen sich inzwischen besser, doch zwischen ihnen liegt noch immer dieses Knistern, das bei jeder Begegnung ein wenig stärker wird.
Sein Arm streift ihren. Als er sich zu ihr beugt, spürt sie seinen Atem an ihrem Ohr. Sie dreht den Kopf und plötzlich sind sie sich gefährlich nah. Sein Blick wandert zu ihren L****n, bevor er ihr wieder in die Augen sieht. Dieses kleine, wissende Lächeln bringt sie beinahe um den Verstand.
Seine Hand legt sich an ihre Taille. Sie spürt die Wärme seiner F****r durch den Stoff, rückt näher und lässt ihre Hand in seinem Nacken ruhen. Für einen Augenblick halten sie einander einfach nur fest im Blick.
Dann gibt es kein Zögern mehr.
Seine L****n treffen ihre. Erst sanft, dann voller Sehnsucht. Sie zieht ihn näher zu sich, während seine Hand über ihren Rücken gleitet. Die Musik um sie herum versinkt in der Bedeutungslosigkeit. Da ist nur noch diese Nähe, die Wärme seiner Haut und das Gefühl, dass sich all die unausgesprochenen Wünsche endlich ihren Weg bahnen.
Ein Kuss folgt dem nächsten. Ihre F****r verfangen sich in seinem Haar, sein Lächeln streift ihre L****n, bevor er sie erneut küsst. Sie verliert jedes Gefühl für die Zeit. Für das, was draußen geschieht. Für alles, was nicht er ist.
Die Bilder werden schneller, die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen. Seine Arme um sie, ihre Körper eng aneinander, dieses Feuer, das sich nicht mehr mit einem Lächeln verbergen lässt. Sie lässt sich fallen, gibt den letzten Rest Kontrolle ab und genießt jeden Augenblick, als gäbe es nichts, das sie zurückhalten müsste.
Und dann …
schlägt sie die Augen auf.
Ihr Atem geht schneller, die Decke ist verrutscht und das Buch liegt noch immer auf ihrem Schoß. Für einen Moment braucht sie, um zu begreifen, wo sie ist.
Dann legt sie das Buch beiseite und lächelt.
Wer hätte gedacht, dass ein paar Zeilen sie so weit forttragen könnten?
Sie zieht die Decke wieder um sich und lehnt sich zurück. Das Feuer in ihren Gedanken ist noch nicht ganz erloschen.
Und vielleicht muss es das auch gar nicht.
